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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Essener Forums.





Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und Co-Projektleiter.





Jürgen Kiskemper und Thomas Nagel, Kontaktbeamten muslimische Institutionen der Polizei Duisburg.





Erkan Üstünay, Gründer des SV Genc Osman und Integrationsratsvorsitzender der Stadt Duisburg.





Shirin Dawai, Ahmed Hanchi und Volkan Turan, Sprecher*innen des Teil-nehmendennetzwerks JIK NRW.





Verschiedene Multiplikatoren und Integrationspraktiker nahmen an der Veranstaltung teil.
Am 16. Januar 2018 fand ein weiteres Essener Forum zum Thema „Integrationserfahrungen im Ruhrgebiet - Erfolgsfaktoren und Innovationspotenziale“ statt. Das Projektteam nutzte in diesem Rahmen die Gelegenheit die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ vorzustellen und mit Integrationspraktikern und Multiplikatoren aus dem Ruhrgebiet zu diskutieren und anhand von Best-Practices aus Nordrhein-Westfalen zu illustrieren. Damit setzte das Essener Forum einen gelungenen Abschluss der Veranstaltungsreihe im Rahmen des praxisorientierten Forschungsprojekts, welches die Bonner Akademie im Auftrag der Brost-Stiftung und unter Schirmherrschaft von Bundespräsident a.D. Christian Wulff seit 2015 durchführte..

Im Rahmen seiner Begrüßung ließ Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie und Co-Projektleiter, die seit 2015 laufenden Forschungsarbeiten nochmals Revue passieren. In diesem Zusammenhang rekurrierte er besonders auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen: Gerade die Debatte zu Islam und Muslimen hätte sich in den vergangenen drei Jahren durch die steigenden Migrationsströme verstärkt.

Dies bestätigte auch Dr. Karsten Jung, Geschäftsführer der Bonner Akademie und ebenfalls Projektleiter, anhand zweier forsa-Umfragen die zu Beginn und zum Abschluss des Projektes durchgeführt wurden. Die Zustimmung zu den Fragen, ob der Islam zu Deutschland und zum Ruhrgebiet gehöre, ist dabei jeweils um zehn Prozentpunkte zurückgegangen. Umso wichtiger sei es, dass zahlreiche Initiativen und Akteure sich im Ruhrgebiet für gelungene Integration einsetzen. Wie dies besonders erfolgreich und nachhaltig gelingen kann, war eine der zentralen Fragen, die das Forschungsteam beschäftigte. Jasmin Sandhaus, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin, führte kurz in die drei zentralen Erfolgsfaktoren Ausbau des kulturell-identifikatorischen Angebots, die Einbindung in Netzwerke und Community-Anbindung der Projektarbeit ein, die im weiteren Verlauf anhand von Best-Practices illustriert wurden.

Den Erfolgsfaktor ,Netzwerkarbeit‘ führten Jürgen Kiskemper und Thomas Nagel, Kontaktbeamten muslimische Institutionen der Polizei Duisburg, aus. Die Kontaktstelle zu muslimischen Institutionen wurde bei der Polizei eingerichtet, um zum einen Vertrauen in die Communities hinein aufzubauen, zum anderen aber auch polizeiintern Vorurteile abzubauen und aufzuklären. Gerade in dieser Position seien stabile und vor allem vertrauensvolle Netzwerke in alle Richtungen eine wichtige Grundlage der Arbeit. Es habe einige Zeit gedauert, bis das Vertrauen sich aufgebaut habe, so die beiden Kontaktbeamten, doch vor allem Kontinuität sei dafür wichtig - genauso wie die richtigen Partner, die etwas umsetzen und gestalten möchten.

Einen solchen Partner fanden die beiden auch in Erkan Üstünay, der in Duisburg den Jugendtreff Respekt sowie den SV Genc Osman leitet und gleichzeitig auch Integrationsratsvorsitzender ist und im Rahmen der Veranstaltung erläuterte, wie sich ein Zugang zur relevanten und oftmals bildungsfernen Zielgruppe finden lässt. Grundsätzlich müsse man den Jugendlichen überhaupt erstmal ein Angebot machen. In sozialschwachen Stadtteilen gebe es oftmals gar keine Orte, zu denen die Jugendlichen kommen könnten. Weiterhin sei Vertrauen wichtig, sowohl von den Jugendlichen als auch von deren Eltern. Üstünay selbst habe sich dies vor allem durch sein überdurchschnittliches Engagement aufgebaut, unterstützten auch Kiskemper und Nagel.

Eine Erkenntnis des Forschungsprojekts verdeutlichte auch, dass etwa 70% der Integrationsangebote sich auf den strukturell-funktionalen Bereich konzentrieren. Ein anhaltend hoher Bedarf lässt sich jedoch auch im kulturell-identifikatorischen Bereich attestieren, hier ist ein Ausbau des bestehenden Angebots in jedem Fall sinnvoll, um die Bedarfe angemessen adressieren zu können. Ein gelungenes Beispiel für solche eine identifikatorisch-inhaltliche Arbeit stellt die Junge Islamkonferenz (JIK) NRW dar, die von den ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und jetzigen Netzwerksprechern Shirin Dawai, Ahmed Hanchi und Volkan Turan vorgestellt wurde. 2016 fand die JIK erstmalig in NRW statt. Im Rahmen der Konferenz treffen sich muslimische und nicht-muslimische Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 17 und 25 Jahren um die für sie persönlich und auch politisch drängenden Themen zu diskutieren und sich auszutauschen. Viel grundsätzlicher geht es jedoch auch darum, den Stimmen junger Menschen im gesellschaftlichen und politischen Diskurs Gehör zu verschaffen und ihnen ein Mitspracherecht einzuräumen. Auch nach der JIK setzen sich viele der Teilnehmer im Rahmen des JIK-Netzwerks weiter ehrenamtlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein und sind damit Vorbilder, die dazu beitragen weiterhin vorhandene Vorurteile und Ressentiments abzubauen.

Auch wenn es zahlreiche Positivbeispiele gebe, so fassten Herr Prof. Dr. Kronenberg und Marco Jelic, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, zusammen, gelte es das Angebot stetig weiterzuentwickeln - auch auf Basis der Erkenntnisse des Forschungsprojekts. Dabei gehe es jedoch weniger darum, das Rad neu zu erfinden, sondern auf Bestehendes aufzubauen bzw. anzuknüpfen und so stetig ein ganzheitliches Projektangebot zu etablieren. Dieses Thema wird die Bonner Akademie auch noch erfolgreichem Abschluss des Forschungsprojekts weiterhin beschäftigen.