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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Essener Forums.





Das Projektteam um den Projektleiter und Geschäftsführer der Bonner Akademie, Dr. Karsten Jung.





Cecilia Nesler, Mitarbeiterin im Oma/Opa-Projekt, erläuterte den Wiener Ansatz für die Integrationspraktiker aus dem Ruhrgebiet via Skype.






Raphael Karrasch, Standortleiter Joblinge Ruhr gAg, skizzierte den Mentoring-Ansatz im Rahmen des Joblinge-Programms.






Die teilnehmerinnen und Teinahmer diskutierten lebhaft zur Rolle von Netzwerken und dem Nutzen von Synergieeffekten in der Integrationsarbeit.
 
Zum Thema „Voneinander Lernen: Generationen- und zielgruppenübergreifende Integrationsarbeit“ fand am 25. Oktober 2017 das Essener Forum im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ statt. Bei diesem Expertenworkshop diskutierte das Projektteam gemeinsam mit Integrationspraktikern im 'Haus der Technik‘, inwiefern Netzwerke und die Nutzung von Synergieeffekten - am Beispiel von Tandem- oder Mentoring-Ansätzen - zu gelungener Integration beitragen können.

Einführend erläuterten Dr. Karsten Jung, Projektleiter und Geschäftsführer der Bonner Akademie, und Jasmin Sandhaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt, den Stand des Forschungsprojekts, das nach dreijähriger Laufzeit mit Ende des Jahres erfolgreich abgeschlossen werden wird. Sowohl die qualitative, zweijährige Projektbegleitung als auch eine quantitative Analyse des Integrationsangebots in den Schwerpunktstädten Duisburg, Essen und Gelsenkirchen hätten viele erfolgreiche Ansätze und Maßnahmen ins Blickfeld gerückt. Um die vielfältigen Bedarfe und unterschiedlichen Zielgruppe künftig noch besser zu adressieren sei es daher nicht notwendig, ‚das Rad neu zu erfinden‘, sondern. vielmehr geboten, durch bessere Vernetzung und die Nutzung von Synergieeffekten – etwa bei Mentoring- oder Tandemprojekten – die bestehenden Potenziale auszuschöpfen. Konkret gehe es darum, Integration als ganzheitlichen Prozess zu betrachten und auch aktiv in der Projektarbeit umzusetzen, indem Brücken zwischen einzelnen, zum Teil hochspezialisierten und autarken Angeboten gebaut werden.

  Ein Beispiel für ein erfolgreiches Tandemprojekt lernte das Projektteam im Rahmen der internationalen Vergleichsstudie kennen: Das Wiener Oma/Opa-Projekt, durchgeführt vom Verein NL40 bringt Senioren mit Kindern aus sozial-schwachen Familien mit Migrationshintergrund zusammen. Die Senioren geben den Kindern in eins-zu-eins Tandems regelmäßig Nachhilfe und unterstützen sie bei schulischen Belangen. Cecilia Nesler, Mitarbeiterin im Projekt, erläuterte die Entstehungsgeschichte des Ansatzes im Rahmen des Essener Forums und berichtete den Teilnehmern von den konkreten Erfahrungen in der Arbeit mit den intergenerationalen Tandems. Nicht selten ergäben sich aus den Tandems auch private Kontakte zu Kindern und Familie; eine ganzheitliche Unterstützung jenseits starrer Projektstrukturen entstehe zum Teil ganz natürlich. Zugleich sei jedoch eine fachliche Begleitung der Senioren im Umgang mit den oftmals traumatisierten Jugendlichen unerlässlich. Hierzu arbeitet das Projekt mit Fachkräften zusammen.
 
Daran anschließend erläuterte das Projektteam, inwieweit ein solcher Ansatz auch gewinnbringend für das Ruhrgebiet sein kann. Konkret wird ein entsprechendes Pilotprojekt derzeit gemeinsam mit der AWO Gelsenkirchen entwickelt. Im Stadtteil Gelsenkirchen-Rotthausen sollen Tandems zwischen älteren Menschen und Kindern mit Migrationshintergrund entstehen. Hierbei soll es jedoch nicht um Nachhilfe, sondern um gemeinsame Freizeitgestaltung gehen. Gerade Kinder aus sozial schwachen Familien verfügen in ihrer Freizeit oftmals nicht über gleiche Möglichkeiten wie andere Kinder - sei es auf finanziellen Möglichkeiten oder Desinteresse der Eltern - ein solches Tandem-Projekt kann jedoch dazu beitragen, Chancengleichheit herzustellen.
 
Raphael Karrasch, Standortleiter bei Joblinge Ruhr, erklärte daran anschließend, wie ein Mentoring-Konzept in der Praxis umgesetzt werden kann. Im Rahmen des Joblinge-Programms, das Jugendlichen mit multiplen Vermittlungshindernissen sehr erfolgreich in Ausbildung und Arbeit bringt, unterstützen sogenannte Mentoren, die fest im Berufsleben stehen, die ausbildungssuchenden Jugendlichen ehrenamtlich. Die persönliche Unterstützung kann dabei ganz individuell ausgestaltet werden und reicht vom Erfahrungsaustausch bis hin zu Nachhilfe. Für die Jugendlichen stellen die informellen Gespräche mit den berufstätigen Erwachsenen eine wichtige Ergänzung zum eigentlichen Joblinge-Programm dar. Für viele sind sie die einzige Austauschmöglichkeit mit fest im Beruf stehenden Menschen, an denen sie sich orientieren können. Indem die Mentoren Mut machen und motivieren, tragen sie essentiell zum Erfolg der Jugendlichen bei.

Insgesamt, darin waren sich alle Anwesenden einig, sind solche Mentoring- oder Tandemansätze vielversprechend. Gerade der Einbezug der sogenannten Mehrheitsgesellschaft ist das besondere solcher Konzepte. Wichtig für erfolgreiche Integration sei jedoch, dass sich die entstehenden Beziehungen über enge Projektstrukturen hinaus auch nachhaltig verstetigen.