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Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, machte in seiner Einführung deutlich, in welch bewegten Zeiten wir leben



Sigmar Gabriel thematisierte die unterschiedlichen Herausforderungen für die deutsche Außenpolitik



Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung



Prof. Dr. Gregor Schöllgen, Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg



Der deutsche Außenminister unterstrich den zukünftigen Stellenwert Europas für die Außenpolitik



Blick auf das Podium: Prof. Dr. Gregor Schöllgen, Moderator Michael Bröcker, Sigmar Gabriel und Stefan Kornelius (v.l.n.r.)



Volle Reihen in der Bonner Akademie


Fotos: Volker Lannert


 
Am 6. April 2017 war Sigmar Gabriel, Vizekanzler und Bundesminister des Auswärtigen, zu Gast in der Bonner Akademie. In seiner Rede zum Thema "Deutsche Sicherheit in turbulenten Zeiten" sprach der seit zwei Monaten amtierende Außenminister nicht nur zu den aktuellen Herausforderungen in Syrien, der Ukraine oder im Zusammenhang mit dem 'Brexit', sondern zeigte auch mögliche Antworten und europäische Lösungsansätze auf. Diese diskutierte er im Anschluss auf dem Podium mit Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung, und Prof. Dr. Gregor Schöllgen, Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Moderiert wurde die Runde von Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post.
 
Der Präsident der Bonner Akademie, Prof. Bodo Hombach, machte in seiner Einführung deutlich, in welch bewegten Zeiten wir leben. Vermeintliche Gewissheiten stünden immer mehr zur Disposition, immanente Strukturfehler der internationalen Ordnung würden nun – im akuten Stresstest – erst sichtbar. Manche Entwicklungen hätte man jedoch voraussehen können, so Prof. Hombach. So sei es nicht überraschend, dass sich Widerstand gegen die Globalisierung rege, denn es gebe immer mehr Verlierer, die sich sammelten. Gut sei in diesem Zusammenhang jedoch, dass die hochemotionale Protestkultur nicht nur bei Demagogen und Populisten zu beobachten sei, sondern Menschen nun auch wieder auf die Straße gingen, um sich für offene Grenzen und ein engeres Miteinander auszusprechen.
 
Sigmar Gabriel begann seine Rede mit einem Parforceritt durch den eigenen Terminkalender und illustrierte so die vielfältigen Herausforderungen, vor denen Deutschland und die internationale Gemeinschaft aktuell stehen. Dazu zählt insbesondere auch der syrische Bürgerkrieg. Die jüngsten Giftgas-Angriffe zeigten, so Gabriel, dass mit Baschar al-Assad aktuell keine Deradikalisierung zu erreichen sei. Gerade hier sei es wichtig, vor allem die europäische Stimme stärker zu machen. Europa sei nicht der weltpolitische Akteur, der es sein könnte, und müsse noch lernen, geschlossener zusammenzuarbeiten und die eigene Position vehementer zu vertreten. Dies sei kein Votum für mehr Europa, so Gabriel, aber in jedem Fall für eine Verbesserung der bestehenden Strukturen. Dafür müssten sich auch bestimmte Narrative ändern: Europa führe nicht zum Verlust von Souveränität, sondern zum Gewinn, da unsere nationalen Stimmen einzeln nicht annähernd so viel Gewicht hätten, wie eine geeinte europäische.
 
Daran anschließend thematisierte Stefan Kornelius den Trend, Europa nur auf Deutschland zu reduzieren. Die Gefahr dabei sei, dass die deutsche Stärke die EU zerdrücke. Der Fokus auf die deutsche Sicherheitspolitik verstelle den Blick auf die Sicherheitsgarantien die Europa uns gebe und die sich monetär auch nicht aufwiegen ließen. Dies müsse man stärker betonen und so nationalistischen Tendenzen entgegenwirken – die aktuellen Umfragewerte und Erfolge proeuropäischer Politiker zeigten jedoch auch, dass ein Wandel bereits eingesetzt habe.
 
Prof. Dr. Gregor Schöllgen plädierte für eine Anpassung der EU an die geänderten Machtverhältnisse. Die EU, aber auch weitere internationale Organisationen wie die NATO oder die UN, seien in einer bipolaren Welt gegründet worden; nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hätten sich diese Institutionen allerdings nicht an die geänderten Verhältnisse angepasst. Das müsse dringend nachgeholt werden, so Prof. Schöllgen.
 
Die EU, waren sich die Diskutanten abschließend einig, sei keinesfalls obsolet. Vielmehr müsse man an bestimmten Stellen nachjustieren, damit sie die Rolle spielen könne, die ihr eigentlich zukommen solle. Im Fokus stehe dabei die Frage, warum Europa sein Wohlstandsversprechen nicht mehr einlösen könne, sagte der Außenminister. Vor allem hierauf gelte es Antworten zu finden.


Die Begrüßungsrede von Prof. Bodo Hombach zum Nachlesen

Hier finden Sie den Veranstaltungsbericht des Bonner General-Anzeigers