Developed in conjunction with Joomla extensions.


Prof. Dr. Nikolaus Werz, Inhaber des Lehrstuhls für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Rostock, Spanien-Experte



Botschafter Heinrich Kreft (M.), Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxembourg und ehem. Gesandter in Madrid


Ángela Paloma Martín (l.), spanische Journalistin, Bloggerin und Politikwissenschaftlerin, mit Simultandolmetscherin (r.)


Raul Zelik (l.), Freier Autor, Politikwissenschaftler und Übersetzer des Sachbuches "Podemos!" von Pablo Iglesias



Die Diskutanten waren sich am Ende in einem Punkt einig: Das Erstarken von Podemos lässt sich nur im Kontext der spanischen Gesellschaft, Politik und Kultur verstehen



Die Abschlussveranstaltung der Reihe "Populismus auf dem Vormarsch?" fand im Gremiensaal der Deutschen Welle statt



Die Veranstaltungsreihe "Populismus auf dem Vormarsch?" wurde zusammen mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle durchgeführt
Zum Abschluss der Reihe "Populismus auf dem Vormarsch?", die von der Bonner Akademie gemeinsam mit dem Global Media Forum der Deutschen Welle ausgerichtet wurde, fand am 7. September 2017 die Podiumsdiskussion
"Gegen die Eliten: Linkspopulismus in Spanien" statt. Mit dem Moderator Patrick Leusch, Leiter des Global Media Forum der Deutschen Welle, diskutierten Prof. Dr. Nikolaus Werz, Inhaber des Lehrstuhls für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Rostock, Botschafter Heinrich Kreft, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg und ehem. Gesandter in Madrid, Ángela Paloma Martín,
spanische Journalistin, Bloggerin und Politikwissenschaftlerin, sowie Raul Zelik, freier Autor, Politikwissenschaftler und Übersetzer des Sachbuches "Podemos!" von Pablo Iglesias.
 
Nach einer kurzen Einführung durch Patrick Leusch diskutierten die Experten zunächst die Gründe für den Aufstieg der Bewegung zu einer einflussreichen Partei in Spanien. Raul Zelik erklärte, dass Podemos aus der Bewegung "Movimento 15-M (Bewegung 15. Mai)" hervorgegangen sei, die sich ihrerseits im Anschluss an eine spontane Kundgebung am 15. Mai 2011 entwickelte, in deren Rahmen hauptsächlich junge, parteiferne Aktivisten die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Missstände in Spanien angeprangert haben. Die Diskutanten waren sich einig, dass insbesondere die Folgen der harten Sparmaßnahmen nach der Finanzkrise, fehlende Repräsentation der spanischen Jugend sowie mehrere Korruptionsfälle in der Regierung Gründe für den Aufstieg der Partei waren. Bloggerin und Journalistin Ángela Martín betonte zudem die Rolle des Fernsehens. Laut Martín hätten die Medien und TV-Sendungen den Hype um die Bewegung aufgegriffen und aktiv unterstützt. Versuchten sonst Parteien die Medien für Ihre politischen Ziele zu instrumentalisieren, nutzten die Medien hier Podemos.
 
Auf die Frage, ob Podemos populistisch sei, antwortete Botschafter Heinrich Kreft, dass durch die grundsätzliche Kompromisslosigkeit, fehlende Kooperationsbereitschaft mit den etablierten Parteien sowie die Brandmarkung Angela Merkels und Wolfgang Schäubles als Urheber einer quasi-diktatorischen Sparpolitik in Europa durchaus populistische Züge zu erkennen seien. Prof. Dr. Nikolaus Werz ergänzte, dass die Partei – trotz der Vielzahl von Akademikern in ihren Reihen – die Ursachen der Missstände unterkomplex darstelle und somit populistisch vorgehe. Jedoch sei eine vereinfachte Darstellung notwendig, um einen Großteil der Bevölkerung überhaupt erreichen zu können, wandte Zelik ein. Ángela Martín kann hingegen keine populistischen Züge erkennen und verwies stattdessen auf die spezifische politische Kultur in Spanien als Erklärungsrahmen. Nach Ihrer Einschätzung gehöre Podemos in Spanien die Zukunft.
 
Die Ansicht, dass die Partei sich langfristig als eine politische Größe in Spanien etablieren würde, wurde nicht von allen Referenten geteilt. Prof. Werz sieht den Zauber des Populismus der Partei durch die neuen Verantwortungen im spanischen Parlament bereits verblassen, während Zelik eine Akademisierung der Partei erkennt, die Ihre Basis allmählich verliere. Botschafter Kreft prognostizierte, dass die Partei sich noch längere Zeit im spanischen Parlament halten würde, da die von ihr angesprochenen Probleme nicht von heute auf morgen lösbar seien. Abschließend kamen die Diskutanten zu dem Urteil, dass auch Podemos nicht als Teil eines globalen Phänomens mit ähnlichen Implikationen verstanden werden könne. Die Ursachen für das Erstarken der Partei ließen sich nur im Kontext der spanischen Gesellschaft, Politik und Kultur verstehen.