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Prof. Bodo Hombach, Präsident der BAPP.





Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Bistum Essen.





Prof. Dr. Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär des Caritasverbandes e.V.




Heike Göbel, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.




Prof. Dr. Frank Nullmeier, Professor für Politikwissenschaft und Leiter der Abteilung "Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates" des Zentrums für Sozialpolitik an der Universität Bremen.




Das Bonner Publikum zeigte großes Interesse an der von Dr. Helge Matthiesen (M.) moderierten Veranstaltung.




Das Publikum während der Rede von Bischof Overbeck.


Fotos: Jennifer Zumbusch
Über „Sozialpolitik heute - Herausforderungen in einer gespaltenen Gesellschaft“ diskutierte der Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck gemeinsam mit Prof. Dr. Georg Cremer, ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes e.V., Heike Göbel, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Prof. Dr. Frank Nullmeier, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen und Leiter der Abteilung "Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates" des Zentrums für Sozialpolitik, am 12. September in der Bonner Akademie. Dr. Helge Matthiesen, Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, moderierte die Veranstaltung. Diese fand im Rahmen des Forschungsprojekts „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ in Kooperation mit der Essener Brost-Stiftung statt.

Im Rahmen seiner Einführung erinnerte Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, daran, dass wir Sozialpolitik nicht neu erfinden, sondern uns stärker auf bewährte Ansätze berufen müssten, so etwa die katholische Soziallehre: Ihre vier Prinzipien Personalität, Gemeinwohl, Subsidiarität und Solidarität seien auch heute noch wichtige Leitplanken zur sozialpolitischen Orientierung. Vor allem gelte es jedoch auch, die Fähigkeiten des Einzelnen zur Selbsthilfe zu fördern, denn das soziale Netz solle auffangen nicht einfangen und müsse Trampolin, nicht Hängematte sein.

Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck erläuterte anschließend die politischen Herausforderungen mit Blick auf die sozialen Unterschiede in unserer Gesellschaft. Die Armen blieben arm, während die Reichen immer reicher würden, die sozialen Unterschiede stiegen demnach konstant, attestierte der Bischof. Zudem sei der wachsende ökonomische Druck mittlerweile auch im Mittelstand angekommen. Polizisten oder Krankenpfleger könnten sich in den Städten mittlerweile keine Wohnung mehr leisten. Deshalb müsse es zukünftig noch mehr darum gehen, Vermögen umzuverteilen und Chancen für Alle gleichermaßen zu eröffnen und nicht nur für einige wie bisher.

Die wachsende Altersarmut thematisierte Prof. Dr. Georg Cremer in der anschließenden Podiumsdiskussion. Die Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre allein könne das bestehende Problem nicht lösen. Es gehe es vor allem darum, Niedriglöhne - gerade im Dienstleistungssektor - zu bekämpfen. Dann sei es auch wieder möglich, sich im Verlauf des Lebens eine angemessene Rente zu erarbeiten und das Armutsrisiko zu senken, Zudem müsse sich der Blick stärker auf die wirklich gefährdeten und betroffenen Gruppen richten; hierzu zählen etwa Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und Niedrigverdiener mit Familie.

Heike Göbel verwies auf die bedeutenden Fortschritte, die wir in den vergangenen zehn Jahren gemacht hätten. Die Arbeitslosenzahlen hätten sich halbiert, auch die Schere zwischen Arm und Reich sei nicht weiter auseinandergegangen. Dennoch müsse man in bestimmten Bereichen stärker umdenken: So sei es zum Beispiel sinnvoll, die Altersgrenze bei der Rente anzuheben, da sich das durchschnittliche Lebensalter ja ebenfalls erhöht habe.

Prof. Dr. Frank Nullmeier widersprach der These einer gespaltenen Gesellschaft: Man könne nicht von zwei Gruppen sprechen, die sich antagonistisch gegenüberstünden. Vielmehr gäbe es eine viel heterogenere Bevölkerung, deren sehr spezifische Bedürfnisse wiederum entsprechend adressiert werden müssten. Ein Beispiel dafür sei etwa der Wohnungsbau in Städten. So sei Wohnungspolitik mittlerweile wieder eine sozialpolitische Maßnahme - einfach weil es gerade in Ballungsräumen deutlich zu wenig bezahlbaren Wohnraum gebe.

Dabei müsse man insgesamt die regionalen Unterschiede stärker einbeziehen, betonte Bischof Overbeck in der Diskussion. In einigen Regionen lasse sich nahezu von Vollbeschäftigung sprechen, während etwa das Ruhrgebiet durch den Strukturwandel vor großen sozialen und ökonomischen Herausforderungen stehe. Gerade diesbezüglich bräuchte es passgenauere sozialpolitische Maßnahmen, waren sich alle Diskutanten abschließend einig.

Die Begrüßungsrede von Prof. Hombach zum Nachlesen