21. Januar 2014: Diskussionsveranstaltung "Generalisten – Spezialisten für Alles?"

Podiumsdiskussion "Generalisten - Spezialisten für Alles?"
In der Wirtschaft, den Medien und vor allem der Politik stellt sich heute oft die Frage, welches persönliches Kompetenzprofil die verantwortlich Handelnden haben müssen. Mit dieser Leitfrage beschäftigte sich die Diskussionsveranstaltung „Generalisten – Spezialisten für Alles?“ am 21. Januar 2014, zu der die Bonner Akademie über 130 Gäste im Bonner Universitätsforum begrüßte. Prof. Dr. Tilman Mayer, Universität Bonn, Dr. Werner Müller, Vorsitzender der RAG-Stiftung sowie Bundesminister a.D., Peter Müller, Bundesverfassungsrichter sowie Ministerpräsident a.D., und Michael Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BP Europe SE, diskutierten, welcher Typus für Spitzenpositionen in den Medien, der Wirtschaft und vor allem der Politik besser gewappnet sei. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Alexander Kissler, Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero.

Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie
Bodo Hombach: „Wir brauchen beides!“

In seinem Einführungsvortrag sprach sich Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, dafür aus, sowohl Generalisten als auch Spezialisten in die Politik und in Unternehmen zu integrieren. Der Generalist könne komplexe Sachverhalte verständlich erklären und Einzelbereiche verbinden. Laut Bodo Hombach gebe es zu wenige „Grenzgänger“, die sowohl Erfahrungen in der Politik als auch in der Wirtschaft oder den Medien gesammelt haben. Deshalb forderte er, interdisziplinäre Kenntnisse für verschiedene Sektoren nutzbar zu machen. Diese Verbindung von Politik, Wirtschaft und Medien sei ein zentrales Anliegen und Teil des Grundverständnisses der Bonner Akademie.


Prof. Dr. Tilman Mayer, Universität Bonn
Prof. Dr. Tilman Mayer: „Der Generalist muss Führungsverantwortung übernehmen.“
 
Daraufhin hielt Prof. Dr. Tilman Mayer, Universität Bonn, einen wissenschaftlichen Impulsvortrag über die Rolle von Generalisten im öffentlichen Leben. Bezugnehmend auf den in Kürze erscheinenden Band „Die Joker. Warum unsere Gesellschaft Generalisten braucht“ formulierte Prof. Dr. Tilman Mayer zehn Thesen. Unter anderem würde dem Generalisten Kernkompetenzen von außen zugeschrieben. Gleichzeitig würde weite Teile der Bevölkerung dem Generalisten jedoch eine gewisse „Ahnungslosigkeit“ vorwerfen, weil er kein Spezialgebiet habe. Aus diesem Grund warnte er vor einem inflationären Gebrauch des Begriffes, um eine Degradierung dieser Personengruppe zu verhindern. 

Dr. Werner Müller (rechts) im Gespräch mit Dr. Alexander Kissler (links)

Dr. Werner Müller, Vorsitzender der RAG-Stiftung
Dr. Werner Müller: „Sie müssen Mitarbeiter haben, die in ihrem jeweiligen Spezialgebiet besser sind als der Chef.“
 
Äußert diskussionsfreudig und meinungsstark zeigte sich Dr. Werner Müller, Vorsitzender der RAG-Stiftung sowie Bundesminister a.D., im Gespräch mit Dr. Alexander Kissler, Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Um ein erfolgreicher Generalist zu werden, müsse man sehr früh den Kontakt mit der Medienöffentlichkeit suchen. Allerdings sei es auch keine erstrebenswerte Eigenschaft, sich „dauerhaft nach vorne zu drängen“. Aus eigener Erfahrung berichtete Dr. Werner Müller, dass man als Leiter eines Unternehmens oder eines Ministeriums von einer harmonischen und ehrlichen Zusammenarbeit mit den Abteilungen abhängig sei. Dafür müsse man Mitarbeiter hinter sich haben, die „in ihrem jeweiligen Gebiet besser sind als der Chef“. Der Generalist habe die Fähigkeiten, Informationen zu verknüpfen, wichtige Entscheidungen zu treffen, behalte das „große Ganze“ im Blick und glänze – überspitzt formuliert – durch „intelligente Faulheit“. Laut Dr. Alexander Kissler zeichne sich der Generalist durch Respekt, Menschenkenntnis, Lernfähigkeit und vernetztes Denken aus.

Peter Müller (rechts), Bundesverfassungsrichter, Ministerpräsident des Saarlandes a.D.
Peter Müller: „Zu viel Spezialistentum ist problematisch.“

Die anschließende Diskussion begann mit einem Video, in dem Studierende der Universität Bonn Generalisten und Spezialisten definierten und ihre Meinung zu jeder dieser Personengruppe erläuterten. Peter Müller, Bundesverfassungsrichter und Ministerpräsident a.D., behauptete, dass zu viel Spezialistentum problematisch werden könne. Zudem kritisierte er den abwertenden Umgangston mit Politikern. Dr. Werner Müller bedauerte, dass im Bundestag einige Berufsgruppen überrepräsentiert und andere Berufe unterrepräsentiert seien. Diese bedenkliche Entwicklung erwachse aus der Tatsache, dass ein Wechsel nach der politischen Karriere in die Wirtschaft erschwert werde und oftmals keine gesellschaftliche Akzeptanz finde.


Michael Schmidt (links), Vorstandsvorsitzender der BP Europe SE
Michael Schmidt: „Niemand kommt als Generalist auf die Welt.“

Michael Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BP Europe SE, erläuterte das Dilemma zwischen Generalisten und Spezialisten aus der Sicht eines Unternehmers. Während Mitarbeiter mit starker Spezialisierung zweifellos gewinnbringend für einen Betrieb seinen, müsse man gleichzeitig die Fähigkeit besitzen, „sich aus dieser Ecke heraus zu entwickeln“. Allgemeinbildung sei unverzichtbar, um als Generalist Führungspositionen zu bekleiden.

Über 130 Gäste begrüßte die BAPP zur Veranstaltung










 






Film mit Meinungen zu Generalisten und Spezialisten von Bonner Studenten

Bericht des Bonner General-Anzeigers zur Veranstaltung

Ausschnitt der "DLF-Sendung" des Deutschlandfunks