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Begegnungen zwischen Alt und Jung ermöglichte das interkulturelle Mehrgenerationen-Kochen in Gelsenkirchen-Rotthausen.



Gudrun Wischnewski, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirks Gelsenkirchen / Bottrop, und Admir Bulic vom achbereich Integration, Zuwanderung, Flüchtlinge der AWO verbreiteten weihnachtliche Stimmung.


Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen sich im Rahmen der gemeinsamen Zubereitung des ,Rotthausener Eintops' näher.


Die entstandenen Kontakte sollen langfristig im Rahmen interkultureller Generationen-Tandems institutionalisiert werden.



Entspanntes Miteinander beim gemeinsamen Kochen.



Alt und Jung fanden sich im Nachbarschaftzentrum der AWo Gelsenkirchen zusammen.



Weihnachtliche Stimmung beim gemeinsamen Singen traditioneller Weihnachtslieder.
 
Seit 2015 hat die Bonner Akademie gemeinsam mit der Brost-Stiftung und unter Schirmherrschaft von Bundespräsident a.D. Christian Wulff das Forschungsprojekt „Wieviel Islam gehört zu Deutschland? Integrationserfahrungen junger und alter Menschen in einer säkular geprägten Gesellschaft am Beispiel des Ruhrgebiets“ durchgeführt. Unser Interesse beschränkte sich dabei nicht nur auf die Gründe für die fortbestehende kulturelle Distanz im Alltag von Deutschen und Migranten im Ruhrgebiet, sondern zielte insbesondere auf die Entwicklung greifbarer Ansätze zur Belebung des interkulturellen Austauschs im gesellschaftlichen Alltag. Im Rahmen der dreijährigen Projektarbeit werden zum Ende des Projektes nun besonders vielversprechende Ansätze in der Jugend- und Altenhilfe im Rahmen verschiedener Kick-Off-Veranstaltungen gemeinsam mit Partnern vor Ort angestoßen. Dazu zählte auch ein Interkulturelles Mehrgenerationen-Kochen, das gemeinsam mit der AWO Gelsenkirchen / Bottrop am 16. Dezember 2017 im AWO Quartierszentrum in Gelsenkirchen-Rotthausen organisiert wurde und gleichzeitig als Auftaktveranstaltung für ein interkulturelles Generationentandem diente. 

Das Forschungsprojekt zielte von Beginn an darauf ab, einen praktischen Beitrag für die konkrete Integrationsarbeit im Ruhrgebiet zu leisten. Im Fokus der Arbeit stand in diesem Sinne stets auch eine Weiterentwicklung des Angebots, um bestehende Bedarfe noch zielgerichteter zu adressieren und Angebotslücken zu schließen. Zu diesem Zweck wurden die einzelnen Pilotprojekte entwickelt und zum Teil gemeinsam mit etablierten Partnern im Rahmen einzelner Kick-Off-Veranstaltungen angestoßen. Im Mittelpunkt stand dabei die Umsetzung eines ganzheitlichen Ansatzes, der Synergieeffekte nutzt und den Netzwerkaufbau zwischen Partnern fördert, statt Parallelstrukturen zu etablieren. Dazu gehörte auch der Aufbau eines interkulturellen Mehrgenerationen-Tandems, auch um die Verknüpfung der beiden inhaltlichen Schwerpunkte auf Jugend- und Altenhilfe zukünftig stärker im Rahmen spezifischer Projektansätze miteinander zu verknüpfen.

Das interkulturelle Mehrgenerationen-Kochen in Gelsenkirchen-Rotthausen - als Auftakt für die Etablierung langfristiger Partnerschaften zwischen ‚herkunftsdeutschen‘ Senioren und Kindern bzw. Familien mit Migrationshintergrund - griff dabei verschiedene, in der Integrationsarbeit weiterhin sichtbare, Bedarfe auf: Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die überdurchschnittlich häufig auch einen Migrationshintergrund haben, benötigen oftmals eine Förderung und Unterstützung, die über das rein formal Schulische hinausgeht und die im Elternhaus - sei es aus finanziellen Gründen, Unwissenheit oder Überlastung - selber nicht geleistet werden kann. Hier können interkulturelle Generationen-Tandems - zumindest ein Stück - dazu beitragen, die Lücke zu schließen. Mit Blick auf die Senioren geht es vor allem darum, sie vor sozialer Isolation im Quartier zu schützen. In einer flexibilisierten Gesellschaft verfügen Senioren und Seniorinnen immer seltener über familiäre und freundschaftliche Bande in der direkten Nachbarschaft. Hinzu kommen Veränderungen der gewohnten Lebenswelt, denen oftmals mit Skepsis gegenüber dem vermeintlich „Fremden“ begegnet wird. Migrantische Lebenswelten lernen sie trotz der nachbarschaftlichen Nähe zu selten tiefgehend kennen. Im Quartier kann es dann zu Missverständnissen und - im schlimmsten Falle - auch zu sozialen Konflikten kommen, die das Zusammenleben erschweren.

Konflikten entgegenwirken und Begegnungen zu initiieren stand auch im Zentrum des Mehrgenerationen-Kochens im Quartierszentrum der AWO. Die AWO selbst ist schon lange direkt im sozialen Brennpunktviertel Gelsenkirchen-Rotthausen aktiv. Nicht zuletzt auch durch ihre lokale Verankerung durch den Treffpunkt in der Nachbarschaft und das gleichzeitig niedrigschwellige Angebot für alle Menschen in Rotthausen verfügen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über vielfältige vertrauensbasiert Beziehungen zu beiden Zielgruppen, sowohl den Senioren als auch den migrantischen Familien. Nicht zuletzt deshalb kamen rund 100 Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit Migrationshintergrund zu der Veranstaltung in das AWO Quartierszentrum um beim gemeinsamen Kochen und Essen erste Kontakte zu knüpfen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Gudrun Wischnewski, Geschäftsführerin des AWO-Unterbezirkes Gelsenkirchen / Bottrop, begann die gemeinschaftliche Zubereitung eines ‚Rotthausener Eintopfes’. Während des gemeinsamen Kartoffelschälens und Gemüseschneidens bot sich die Gelegenheit, zwischen den Generationen und Kulturen ins Gespräch zu kommen. Wie erfolgreich diese Idee war, zeigte sich nicht zuletzt auch an den bunt besetzten Tischen während des anschließenden gemeinsamen Essens. 

Mittelfristig soll aus den niedrigschwelligen Kontakten ein interkulturelles Generationen-Tandem in Rotthausen entstehen, in dem sozial benachteiligten Kindern einen älteren deutschen Paten an die Seite gestellt wird. Das Tandem-Kind bzw. die gesamte Familie gestalten ihre Freizeit gemeinsam und auf Augenhöhe. Gleichzeitig fungieren die Senioren aber auch als Ansprechpartner für etwaige Probleme und Hürden im Alltag. In engem Austausch mit der AWO wird die Bonner Akademie weiterhin an diesem Thema arbeiten und gemeinsame Leitlinien für die Einrichtung und Betreuung solcher Tandems entwickeln, denn solche Aktivitäten fördern nachhaltig den interkulturellen und intergenerationalen Austausch - und somit auch das nachbarschaftliche Kennenlernen und den Zusammenhalt im Quartier.

Berichterstattung der WAZ, 20. Dezember 2017.
 
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