Die Teilnehmer des Workshops zusammen mit den Projektleitern und Praxisexperten




Prof. Dr. Frank Decker, Wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie




Reinhard Bütikofer (2.v.r.), MdEP und Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei (EGP)




Michael Schmidt (l.), Präsident der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) sowie ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BP Europa SE und Kuratoriumsmitglied der Bonner Akademie




Dr. Philipp Adorf, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn

 
Bei der Auftaktveranstaltung zum Forschungsprojekt "Wirtschaftliche und politische Strategien im Crash" konnte die Bonner Akademie am 15. Mai 2018 renommierte Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft begrüßen. Der Workshop nahm unter dem Titel "Der politische Aufstieg von Unternehmermilliardären aus der Perspektive wirtschaftlicher und politischer Strategie" die verschiedenen Handlungsfelder und -mechanismen dieses neuen Politikertypus in den Blick.

Die Anwesenden wurden durch Prof. Dr. Frank Decker, Wissenschaftlicher Leiter der Bonner Akademie, in den Räumen der Bonner Akademie willkommen geheißen. Besonders wies er in seiner Begrüßung darauf hin, dass die Verbindung von wissenschaftlicher und politischer Praxis für den Akademie von großer Bedeutung seien und er sich daher insbesondere über die fruchtbare Kooperation zwischen der Akademie und der Agentur für Politische Strategie (APOS) freue, die das Projekt im Auftrag der Akademie durchführe. Seinen herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, als Projektpaten und Praxisexperten dem Projekt zu Verfügung zu stehen, richtete Prof. Decker an die beiden anwesenden Reinhard Bütikofer, MdEP und Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei (EGP), und Michael Schmidt, Präsident der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) sowie ehemaliger Vorstandsvorsitzender der BP Europa SE und Kuratoriumsmitglied der Bonner Akademie.

Prof. Dr. Elmar Wiesendahl (APOS) und Prof. Dr. Ralf Tils (Leuphana Universität Lüneburg, APOS) dankten in ihrer Begrüßung der Akademie für die Möglichkeit, als Leiter das Forschungsprojekt durchführen zu können. Prof. Wiesendahl skizzierte zu Beginn, dass ein wesentliches Ziel des Forschungsprojektes der Vergleich zwischen wirtschaftlichen und politischen strategischen Vorgaben und Chancen sei und sich hieraus die Frage nach dem Potenzial dieser jeweiligen Strategien in der Politik ergebe. Konkret sei der Ausgangspunkt daher das Profil des US-Präsidenten Donald Trump, der aus dem Unternehmertum einen Crossover in die Politik vollzog.

Prof. Tils führte seinerseits aus, dass der Begriff der Strategie eine Umgangsweise mit der Realität bedeute, die eine Erhöhung der Erfolgschancen zur Folge haben könne, aber nicht mit Erfolg gleichzusetzen ist. Strategie sei daher immer die Frage nach Alternativen in der Dreiecksbeziehung zwischen Ziel, Mittel und Lage des Strategieanwenders. Sowohl die Zeitspanne eines Prozesses als auch die Größe eines Ziels trennte Tils in seinen Ausführungen aus dem Begriff der Strategie, da beide Parameter in ihrer Wahrnehmung nicht objektiv messbar seien. Ausgehend von der Analyse unternehmerischer und politischer strategischer Anforderungsprofile stellte Tils anschließend das unternehmerische und politische Strategieprofil Trumps vor und überschrieb dieses mit dem vorläufigen Begriff eines "Semistrategischen Unternehmerpopulisten", der eine enge, ökonomisch primatisierte Weltsicht habe und sich analytisch kaum an Fakten orientiere. Zugleich wies er darauf hin, dass Trump damit nicht strategielos sei, sondern nur sehr eingeengt strategisch agiere.

Zum strategischen Profil von Politikern trug Prof. Dr. Jens Borchert, Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Soziologie und Staatstheorie an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., vor. Zu Beginn seiner Ausführungen machte er deutlich, dass der Beruf des Politikers mit besonderen Merkmalen ausgestattet sei. Eine wesentliche Schwierigkeit bestehe beispielsweise darin, dass die vorherrschende Meinung sei, Politik könne angeblich jeder. Zudem gebe es keine Berufsgruppe, die ständig mit der eigenen Zwangsdeprofessionalisierung (Abwahl) rechnen müsse. Weiterhin sei der eigene Kollege auch stets immer der Konkurrent oder Gegner und zuletzt würden oftmals die eigenen Ziele nicht zuletzt durch die eigene Partei konterkariert. Politiker befinden sich damit im Gegensatz zu Unternehmern stets in der "Zwickmühle" zwischen langfristiger Chancenwahrung und der kurzfristigen Chancennutzung. Besonders in Abgrenzung zwischen Unternehmern in der Politik und Politikern machte Borchert deutlich, dass nur sehr wenige Unternehmer in der Politik tatsächlich erfolgreich seien, weil sie sich den politischen Handlungsmustern oftmals nicht anpassen könnten, diejenigen Unternehmermilliardäre, die aber in die Politik gewechselt hätten (Trump, Berlusconi, Babis), hätten diesen Schritt in die Politik v.a. aus der Motivation heraus getan, dass sie im Sinne einer Erstschlagsstrategie entweder gegen politische Regulierung und/oder gegen strafrechtliche Verfolgung der eigenen Person vorgehen wollten.

In seinen Ausführungen zum strategischen Profil von Politikern aus dem Blickwinkel des aktiven Politikers nannte Reinhard Bütikofer fünf Punkte, die er hierbei als zentral betrachte. Ein Politiker muss stets einen Plan haben und sein "Schlachtfeld" kennen, auf dem die politische Auseinandersetzung stattfindet. Wichtig sei ebenso ein ausgeprägter, Führungswille. Im medialen Zeitalter sei es zudem entscheidend geworden, dass auch eine Attraktivität der Person vorliege um sich an der Spitze behaupten zu können. Wichtig sei ebenso, dass man über die nötigen Machtmittel verfüge. Im Gegensatz zu früheren Zeiten sei die Kontrolle eines Apparats nicht mehr so entscheidend, da die Vernetzung nicht mehr durch die Büros sondern direkt durch Social Media stattfinde. Als Nebeneffekt nannte Bütikofer die Problematik, dass "Image & Brand" wesentlich wichtiger geworden seien als die fachliche Expertise, die gegenüber dem Agenda-Setting immer stärker zurücktrete. Zuletzt nannte er die Fähigkeit des Rückzugs als fünften Punkt. Man müsse dort kämpfen, wo es sich auch auszahle und ausloten können, wo Kompromisse noch als legitim in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Das strategische Kompetenzprofil von Unternehmern wurde durch Michael Schmidt den Workshopteilnehmern erläutert. Eine der Kernunterschiede, so Schmidt, zwischen Unternehmern und Politikern bestünde darin, dass Unternehmer nach Lösungen, Politiker aber nach Mehrheiten suchen würden. Schmidt differenzierte zudem zwischen drei Typen von Unternehmern: Familienunternehmer, Einzelunternehmer und Unternehmensmanager. Während die ersten beiden Typen stark Einzelentscheidungen umsetzen könnten, sei gerade der besonders verbreitete Typ des Unternehmermanagers auf Teamwork und Konsens innerhalb und außerhalb seines Unternehmens angewiesen. In vier Thesen skizzierte Schmidt schließlich das strategische Modell des Unternehmertums. Mit Blick auf die Studie stellte er fest, dass die Fokussierung auf ein neoklassisches Unternehmermodell in der Studie bisher zu kurz greife. Alleinige Gewinnmaximierung würde nicht die wirtschaftliche Verschränkung internationaler Wertschöpfungsketten hinreichend berücksichtigen, da hier auch das Vertrauen in gemeinsame strategische Partnerschaft nötig sei. Schließlich ist es für Unternehmensmanager in vielfältiger Hinsicht notwendig, sich ständig mit ihrem Umfeld auseinanderzusetzen und somit auch für Entscheidungen zu werben. Zuletzt wies Schmidt darauf hin, dass mediale Hypes zwar eine stärkere Rolle als früher spielen würden, entscheidend seien jedoch nach wie vor Faktenkenntnis und Durchsetzungsfähigkeit, um langfristige Erfolg zu gewährleisten.

Im letzten Referat der Auftaktveranstaltung trug Dr. Philipp Adorf, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn, zum strategischen Kompetenzprofil des Unternehmerpolitikers Donald Trump vor. Adorf bezog sich hierbei auch auf das 1987 von Trump erschienen Buch "The Art of Deal" in dem Trump besonders das instinktive Handeln unterstreicht, weshalb er keinerlei größeren Beratung bedürfe. Mit Blick auf Trumps Wahlkampf stellte Adorf heraus, dass Trump vor allem sein Kernthema Migranten vs. Native Americans und die vielen Mitbewerber innerhalb der Republikanischen Partei in die Hände gespielt hätten. Besonders wichtig erschien hierbei, dass bei den Anhängern Trumps nicht faktische, ökonomische Probleme im Vordergrund der Wahlentscheidung standen, sondern soziokulturelle Abstiegsängste, die durch "Alternative Facts" seitens Trump noch befeuert werden konnten.
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