Rüdiger Oppers und Bodo Hombach
„Politik und Medien: Einflussfaktoren auf die politische Bewusstseinsbildung“ – darum dreht sich die Lehrveranstaltung von Bodo Hombach im Sommersemester 2012 an der Universität Bonn. Gastreferent der ersten Seminarstunde am 2. Mai war Rüdiger Oppers, Chefredakteur der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung.

Er ging auf die Wechselwirkung von Internet und klassischen Medien ein. „Das Internet ist gerade fröhlich dabei die Welt umzukrempeln“. Mit dieser Einschätzung zum world wide web begann Bodo Hombach die Sitzung. So würden hier erstaunliche Wirkungen und Ergebnisse, neue Lösungen für alte Probleme, Bedürfnisse und Illusionen erzeugt.

Ob Skeptiker oder Missionare des Internets – klar sei: die Entwicklung frage nicht nach Gut und Böse, so Hombach. Und ebenso zu beobachten sei, dass die alten Medien in der Gunst der Konsumenten sänken, während das Internet immer mehr zum Publikumsliebling heranwachse.
Wie können sich die altbekannten Medien dagegen Gehör verschaffen? Laut Hombach auf zwei Wegen: „Anpassung oder Gegenentwurf!“ Auch durch Innovationen könnten sie sich einen Platz in der gewandelten Medienwelt erkämpfen. Ein Großteil der Menschen sehne sich beispielsweise nach Orientierung im Online-Dschungel, der Bedeutungszuwachs des Internets löse nicht nur euphorische Stimmen aus.
Die alten Medien könnten sich dies zu Nutze machen und den Menschen die Vorteile von qualitativer Berichterstattung aufzeigen.
Qualitative Berichterstattung, aber auch maßgebliche Themensetzung – dafür stehen nach Auffassung von Rüdiger Oppers die alten Medien: „Die Online-Medien wirken bei Skandalen wie Brandbeschleuniger, aber die Brandstifter sind immer noch die alten Medien“, so Oppers. 

Ohne die Bild-Zeitung wäre demnach Bundespräsident Christian Wulff nicht skandaliert worden. Ein weiteres Beispiel sei die Loveparade-Katastrophe 2010: Die alten Medien hätten den Rücktritt des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland als erste thematisiert – erst daraufhin sei im Internet eine Art dynamische Bürgerbewegung entstanden, die Abwahl Sauerlands in der Netzcommunity geplant schließlich sogar durchgesetzt worden. „Ein ‚Shitstorm‘ fegte einen Oberbürgermeister aus dem Amt“, fasste Oppers zusammen
 
Studierende der Universität Bonn
Der „Shitstorm“ als theoretische Form, als Instrument für den gesamten Journalismus, kann Oppers  zufolge folgendermaßen erklärt werden:  Nach wiederholten kritischen Äußerungen zu einem bestimmten Thema in den Social Media wird das Interesse der Journalisten geweckt. Im Anschluss daran erscheinen die ersten professionellen Online-Artikel. Mit steigendem Protest wächst das Publikumsinteresse und auch die Printmedien greifen das Thema auf.

Der Protest wird zur Kampagne und schwappt auch auf Fernsehen und Radio über, wobei auch in den Social Media ein riesiger Schneeball-Effekt entsteht. Das Thema wird also zum Top-Thema in allen Medien. 
Trotz der vielen Informationskanäle im Internet steht für Oppers eines fest:  In Sachen Glaubwürdigkeit vertrauen die Menschen vor allem der Qualitätspresse. Denn auch im Netz sei zu beobachten, dass Zeitungsartikel der Qualitätspress in vielen Portalen verbreitet und verstärkt gelesen würden. Da die Angebote kostenfrei seien, könne der Journalist davon jedoch nicht finanziell profitieren.

Hier finden Sie den gesamten Gastbeitrag von Rüdiger Oppers
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