Michael Hirz, Programmgeschäftsführer bei Phoenix und Bodo Hombach
Michael Hirz, Programmgeschäftsführer von Phoenix, erläuterte in seinem Gastvortrag im Rahmen der Lehrveranstaltung "Politik und Medien: Einflussfaktoren auf die politische Bewusstseinsbildung" von Bodo Hombach an der Universität Bonn den Einflussfaktors des Fernsehens auf die politische Bewusstseinsbildung am Beispiel des Ereignis- und Dokumentationskanals von ARD und ZDF.

"Die Zeit der großen Lagerfeuer ist vorbei", sagte Hirz mit Blick auf die sinkenden Marktanteile der großen Vollprogramme. Der Versuch mit Hilfe digitaler Spartenkanäle dagegen zu steuern, zeige bislang keinen Erfolg. Allein ZDFneo sei bislang nur begrenzt Erfolg, was aber in der Frage der Marktanteile keine Auswirkungen auf Phoenix habe, da es keine Überschneidung bei den Programminhalten gäbe. Einzig im Hinblick auf die Verteilung der immer knapper werdenden Finanzmittel betrachtet Michael Hirz den Ausbau der Digitalkanäle mit Skepsis.
 
Als der Fernsehsender Phoenix 1997 gegründet wurde, hätten die Kritiker ihn als "Bad Bank" der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten betitelt, mit dessen Hilfe ARD und ZDF sich vom "schwerfälligen Programm" für ein Spartenpublikum befreien wollten.
Die Entwicklung des Senders habe die Kritik jedoch widerlegt: Demnach ist Phoenix der führende Informationssender in der Bundesrepublik. Dieser Erfolg sei nicht zuletzt dem Anspruch des Senders zu verdanken, wichtige gesellschaftliche und politische Debatten zu begleiten und dem Bürger ein "Teilhabeangebot" zu machen.

Dieses Leitmotiv spiegelt sich laut Hirz auch in der Programmstruktur des Senders wider, die auf drei Säulen fuße: der Ereignisberichterstattung, dem Dokumentationsprogramm und den Gesprächen. So begleite Phoenix wichtige gesellschafts-politische Ereignisse in längeren Strecken, die von Experten vor Ort eingeordnet und mit Hintergrundinformationen unterfüttert würden.
Hier sei es von Vorteil, dass Phoenix durch die enge Verknüpfung mit ARD und ZDF auf ein großes Korrespondentennetz zurückgreifen könne, denn die Einschätzungen der Korrespondenten vor Ort seien ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs des Senders. Auch in der zweiten Programmsäule "Dokumentationen" ist Hirz zufolge die Verzahnung mit den großen Sendeanstalten hilfreich: Ohne den Rückgriff auf die Produktionen von ARD und ZDF ließen sich die 8000 Sendeplätze für Dokumentationen pro Jahr nicht füllen. Im Bereich der Gespräche setzt der Sender laut Michael Hirz auf Qualität und erhält dafür auch den Zuspruch des Publikums. Dies habe sich auch darin gezeigt, dass ein ausgeweitetes Talkangebot der ARD auf sechs Tage pro Woche keine Auswirkungen auf die Einschaltquoten der Phoenix-Gesprächsrunden gehabt hätten. Diese dreigliedrige Programmstruktur ermögliche die notwendige Flexibilität, um auf aktuelle Ereignisse so schnell reagieren zu können wie kein anderer Sender.
Dass dies wesentlich zum Erfolg von Phoenix beitrage, habe nicht zuletzt die Übertragung der Schlichtungsgespräche um "Stuttgart 21" sowie die Berichterstattungen zur Reaktorkatastrophe in Fukushima und zur "Arabellion" gezeigt.

 
Michael Hirz, Programmgeschäftsführer bei Phoenix
Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass Phoenix trotz eines gestiegenen Senderangebots seinen Marktanteil auf 1,1 Prozent ausgeweitet hat und damit deutlich vor den anderen Info-Sendern der Republik liegt.

In der Analyse der Zuschauer fällt auf, dass der Anteil der Männer fast doppelt so hoch ist wie der der Frauen. Auch in der regionalen Verteilung lassen sich signifikante Unterschiede feststellen: Während Phoenix in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg und Sachsen überdurchschnittlich eingeschaltet wird, schneidet der Sender im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen deutlich unterdurchschnittlich ab.

Die höchsten Marktanteile (1,2 Prozent) erzielt der Bonner Sender mit der Ausstrahlung von Dokumentationen, während die Ereignissendungen "vor Ort" und die Diskussions- und Gesprächsrunden auf je 0,8 Prozent kommen. Für Michael Hirz sind diese Zahlen zugleich Bestätigung und Auftrag, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.      
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