Die Diskutanten während der Diskussion zu dem vorgestellten Buch.





Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie und Herausgeber des neuen Buches.





Ulrich Reitz, Journalist und Co-Autor des neuen Buches, bei dessen Vorstellung.





Dr. Joachim Stamp, MdL, Minister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes NRW, während der Podiumsdiskussion.





Sabine Scholt, Journalistin und Leiterin der Redaktion Landespolitik Fernsehen beim WDR, verwies auf die Bedeutung der Regionalität im Land NRW für Politik und Medien.




Stefan Willeke, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion ZEIT, während der Diskussionsrunde.





Als stellvertetender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sprach Dr. Joachim Stamp über die Politik der Landesregierung unter Armin Laschet.




Fotos: Volker Lannert

Am 13. März 2019 fand in der Bonner Akademie die Vorstellung des neuen Buches „Heimat & Macht: Eine kurze Landesgeschichte NRWs von Arnold bis Rau, von Clement bis Laschet“ über die Landesgeschichte Nordrhein-Westfalens statt, das von Prof. Bodo Hombach, dem Präsidenten der Bonner Akademie, herausgegeben wurde. Die Vorstellung übernahmen Ulrich Reitz, Journalist und Co-Autor des Buches sowie Michael Krons, Redakteur und Moderator bei PHOENIX. Im Rahmen der Vorstellung anwesend waren zudem Dr. Joachim Stamp, MdL, stellvertretender Ministerpräsident des Landes NRW und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Sabine Scholt, Journalistin und Leiterin der Redaktion Landespolitik Fernsehen beim WDR, und Dr. Stefan Willeke, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion der ZEIT sowie ebenfalls einer der Co-Autoren des Buches.


In seiner Begrüßung sprach Prof. Bodo Hombach zunächst allen an dem Buchprojekt und an der Veranstaltung Beteiligten seinen herzlichen Dank aus und betonte, dass die im Titel genannten Begriffe „Heimat“ und „Macht“ zwei zeitlose bedeutsame seien, die leider allzu oft von den falschen Stellen für ihre Zwecke missbraucht und instrumentalisiert würden. Es sei daher wichtig, ihnen durch Projekte wie das neue Buch zur Geschichte des Landes NRW eine positive Bedeutung zurückzugeben.

Ulrich Reitz stimmte in seiner Vorstellung des Buches dieser Einschätzung zu. Er erzählte, die Idee für das Buch sei aus dem Gedanken entstanden, dass die Landesgeschichte NRWs zu wenig prominent beleuchtet werde. Bewusst habe man die Ministerpräsidenten im Kontext der Landesgeschichte betrachtet und die Kapitel von verschiedenen Autoren verfassen lassen, um das Werk möglichst divers und – so die Hoffnung – möglichst kontrovers zu gestalten. Das Buch solle die Menschen zur Diskussion und zur Auseinandersetzung mit ihrem Heimatbundesland anregen.

In der anschließenden Diskussionsrunde verwies Dr. Joachim Stamp darauf, dass NRW schon immer ein integratives Land gewesen sei und in einer lange zurückreichenden Einwanderungstradition stehe. Einwanderung und Integration stellten die Bundesrepublik besonders in den letzten Jahren vor eine große Herausforderung, aber durch die jahrzehntelangen Erfahrungen habe NRW als Bundesland einen Vorteil bei der Aufgabe, diese zu bewältigen.

Dieser Einschätzung schloss sich auch Sabine Scholt an. Sie führte als ein Argument dafür an, dass bereits der Name Nordrhein-Westfalens, das von den britischen Besatzern nach dem Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Regionen zusammengefügt wurde, ein Zeichen für die Vielfältigkeit innerhalb des Bundeslandes sei. Das Land und seine Politik stünden „im Zeichen des Bindestriches“, der für die Zusammenführung der mit diesen Regionen verbundenen Kulturen stehe. Seit Beginn der Geschichte NRWs an hätten auch die Ministerpräsidenten sich bei der Gestaltung der Landespolitik an dieser Vielfalt orientieren und die Bedeutung der Regionalität anerkennen müssen.

In diesem Punkt stimmte ihr Dr. Stefan Willeke, der in dem Buch die Porträtierung des amtierenden Ministerpräsidenten Armin Laschet übernommen hatte, zu und sprach davon, dass dieser auch im Wahlkampf und seit seiner Wahl 2017 in seiner Politik dieser Prämisse gefolgt sei. Dennoch, so merkte Dr. Willeke an, dürfe die Regionalität trotz all ihrer Bedeutung nicht allein die Landespolitik dominieren. Ansonsten laufe man Gefahr, sich in „sozialkitschigen Klischees“ zu verrennen und real existierende politische und soziale Spannungen zu ignorieren. Als Beispiel hierfür verwies er auf die „Ruhrgebietsharmonie“, welche so häufig beschworen werde, ohne dabei in den Blick zu nehmen, dass besonders in dieser vom Strukturwandel hart getroffenen Region Probleme bestünden, welche die Politik angehen und bewältigen müsse.

Hierauf entgegnete Dr. Joachim Stamp, diese Probleme seien der Landesregierung selbstverständlich bekannt und es werde mit entsprechenden Kampagnen bereits daran gearbeitet, genau diese sozialen Schwierigkeiten auszuräumen. Dennoch, so betonte er, sei die „Ruhrgebietsharmonie“ kein reiner Mythos. Der Begriff des „Kumpels“ habe trotz aller Spannungen in der Region eine große Bedeutung und habe den Zusammenhalt im Ruhrgebiet über Jahrzehnte gefördert. Er räumte ein, dass es tatsächlich einen Bruch im Selbstverständnis der Region und einen gewissen Verlust des WIR-Gefühls gegeben habe. Deswegen sei es nun die Aufgabe der Politik, für die Schaffung eines neuen solchen Gefühls zu sorgen.

Zum Schluss der Veranstaltung bat der Moderator, Michael Krons, die Diskutanten um ihre Einschätzung zu der Frage, wie
sich die Landespolitik in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren entwickeln werde. Dr. Willeke antwortete darauf, dass man sich auf eine Fortführung des Strukturwandels einstellen müsse. Einen solchen habe es durch technische Neuerungen sowieso schon immer gegeben – auch lange, bevor der Begriff in der politischen Debatte aufgetaucht sei. In Zukunft werde es für die Landespolitik umso wichtiger sein, auf die Fragen, die er mit sich bringe, Antworten zu finden.
Dieser Bewertung folgte Ulrich Reitz in seinem Schlusswort, der im Kontext des Strukturwandels vor allem die Digitalisierung und die Evolution des Arbeitsmarktes nannte. Die Politik – sowohl auf Ebene der Länder als auch des Bundes – werde sich in zehn bis fünfzehn Jahren daran messen lassen müssen, wie sie sich an diese Veränderungen angepasst habe und wie sie mit den Herausforderungen umgegangen sei, die sie mit sich bringe.

 
 

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