Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie.




Die Diskutanten des Abends während der Debatte auf dem Podium im Bonner Universitätsforum.



Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.




Prof. Dr. Anette Dufner, Psychologin und Professorin
am Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn



Prof. Dr. Jörg Blasius, Professor für Soziologie am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn.



Sabine Baumann-Duvenbeck, Geschäftsführerin der Viktor Baumann GmbH & Co. KG.



Michaela Kolster, Programmgeschäftsführerin von phoenix, leitete die Diskussionsrunde.



Bilder BAPP / Günther Ortmann
















 

Zum Thema „Arbeit, Freiheit, Abhängigkeit?“ diskutierten am 6. November 2019 auf dem Podium der Bonner Akademie Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Anette Dufner, Institut für Wissenschaft und Ethik der Universität Bonn, Prof. Dr. Jörg Blasius, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn und Sabine Baumann-Duvenbeck, Geschäftsführerin der Viktor Baumann GmbH & Co. KG. Durch den Abend führte Michaela Kolster, Programmgeschäftsführerin bei phoenix. Die Diskussionsveranstaltung fand in Kooperation mit dem neuen DFG-Exzellenzcluster „Dependency and Slavery Studies“ statt.

Prof. Bodo Hombach, Präsident der Bonner Akademie, begrüßte die Gäste und das Podium des Abends und skizzierte die Geschichte und den enormen Wandel der Arbeit - von der Steinzeit über das Mittelalter bis hin zur digitalen Revolution, durch die sich der Arbeitsbegriff neu definiere. Die anschließende Diskussion knüpfte mit der Frage nach den Veränderungen der Arbeitswelt und den Auswirkungen auf die Gesellschaft an. Ethikexpertin Prof. Dr. Annette Dufner erläuterte die zunehmende Wichtigkeit von Selbstwert, Bestätigung und Anerkennung im Zusammenhang mit der eigenen Arbeit - diese sei heute nicht nur Notwendigkeit zum Broterwerb, sondern eine „Identifikationsmöglichkeit“. Ein wichtiges Thema ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten – darüber waren sich die Diskutanten auf die Frage der Moderatorin, was „die sich rasant verändernde Arbeit mit uns macht", einig. Minister Karl-Josef Laumann gab zu bedenken, dass die ewige Erreichbarkeit und der Leistungsdruck zu erhöhten psychischen Erkrankungen beitrage und plädierte für ein verantwortungsbewusstes Verhalten der Arbeitgeber und eine erhöhte Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Prof. Dr. Jörg Blasius sah die größere Anforderung der Erreichbarkeit sowie die daraus resultierende stärkere Vermischung zwischen Arbeit und Freizeit als zunehmendes Problem und auch Frau Prof. Dr. Dufner betonte die ausfransende Grenze zwischen Erholung und Arbeit, mit allen Vor- und Nachteilen. Unternehmen würden die Entgrenzung zunehmend aktiv fördern, indem Möglichkeiten und Angebote geschaffen werden, mehr Freizeit auf der Arbeit zu verbringen. Die Frage hierbei: „Wo ist die Grenze zwischen Leidenschaft und Selbstausbeutung?“.

Sabine Baumann-Duvenbeck merkte an, dass flexible Arbeitszeiten und Homeoffice in vielen Branchen gar nicht möglich seien und so auch in Ihrem Unternehmen keine Rolle spielen. Bezüglich des Wandels der Arbeitswelt betonte Minister Laumann, dass es mit Blick auf die Geschichte noch nie so gute Arbeitsbedingungen wie heute gegeben habe, jedoch auch eine gespaltene Situation in der Arbeitnehmerschaft bzw. auf dem Arbeitsmarkt, unter anderem durch die abnehmende Tarifgebundenheit, bestehe. Er erläuterte zudem, dass das deutsche Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Form nicht mehr zur heutigen Vielschichtigkeit der Wirtschaft passe und die Unterschiedlichkeit der Arbeitswelt wahrgenommen werden müsse. 
 
Eine Gesellschaft ohne Arbeit könne man sich heute nicht vorstellen, so Prof. Dr. Blasius. Erst durch die Entstehung und den Einsatz richtiger Künstlicher Intelligenz, wird die Arbeitswelt von heute zukünftig in Frage gestellt: in vielen Bereichen würden Menschen in Zukunft nicht mehr gebraucht, „Hochqualifizierte werden später Einfachqualifizierte sein“. Die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung sei beides, Chance und Risiko. Frau Prof. Dr. Dufner stimmte zu: Digitalisierung bedeute nicht nur, dass ‚einfachere‘ Arbeiten ersetzt werden, sondern auch hochqualifizierte Arbeitnehmer, wie beispielsweise Mediziner. Minister Laumann war dagegen der Ansicht: „Durch die Digitalisierung geht uns die Arbeit nicht aus“, so würde es in anderen Bereichen Zuwachs geben. „Digitalisierung bedeutet Erleichterung“, so Frau Baumann. Aus ihren praktischen Erfahrungen könne sie jedoch nicht bestätigen, dass Arbeitsplätze wegfallen oder neu dazukommen und sah für ihre Branche auch langfristig keine Veränderung.
Auf die Frage von Michaela Kolster, ob aufgrund dieser Entwicklungen über ein bedingungsloses Grundeinkommen nachgedacht werden müsse, gab es unter den Diskutanten unterschiedliche Meinungen. Während Prof. Dr. Blasius in ferner Zukunft keine Alternative zum Grundeinkommen sieht, da immer mehr Jobs wegfallen würden und auch nach Prof. Dr. Dufner die Idee ernst genommen werden muss, sprach sich Minister Laumann deutlich gegen ein Grundeinkommen aus: die Teilhabe an Arbeit sei wesentlich und Teil unserer Persönlichkeit. Trotzdem betonte Minister Laumann: „die Arbeitswelt ist für die Menschen da“ und nicht andersrum - „der Mensch ist das Maß aller Dinge“.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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