Am 15. Juli 2026 machte ein Team der Bonner Akademie Station am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium Bonn. In einem vierstündigen Workshop führte es gemeinsam mit einer Gruppe der 10. Jahrgangsstufe das Planspiel „Ruhr.Macht.Zukunft“ durch. Entstanden ist das Format im Projekt „Transfer der Transformation“ mit dem Ziel junge Menschen dafür zu sensibilisieren, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen zusammenhängen und wie politische Prozesse diese beeinflussen können.
Zum Auftakt spannte das Team einen Bogen zum Wohnort der Schülerinnen und Schüler. Die Sperrung der Bonner Nordbrücke ist vielen ein Begriff und wirft genau jene Fragen auf, um die es auch im Planspiel geht. Wer ist eigentlich zuständig? Und warum lässt sich ein solches Problem politisch nicht einfach lösen? Die Nordbrücke ist dafür ein anschauliches Beispiel: Als Teil der Bundesautobahn A565 liegt sie in der Verantwortung des Bundes, der auch die Sanierung finanzieren muss. Die Stadt Bonn ist von der Sperrung massiv betroffen, kann aber selbst kaum entscheiden. Ein Musterfall für die verteilten Zuständigkeiten in unserem Mehrebenensystem aus Bund, Ländern, Kommunen und, wie im Planspiel, einem regionalen Parlament.
Mit diesem Vorwissen führte das Team in die Arbeit des Ruhrparlaments ein: Welche Aufgaben nimmt es wahr, welche Rolle spielt es für die Region, und wie ist es zusammengesetzt? So entstand die fachliche Grundlage für das eigentliche Spiel.
Anschließend tauchten die Jugendlichen in das Szenario ein: Das Ruhrgebiet steht vor großen Aufgaben wie Klimaschutz, Digitalisierung und demografischem Wandel. Nach abgeschlossenen Haushaltsverhandlungen bleibt dem Ruhrparlament im Spiel nur noch ein begrenztes Restbudget, das auf fiktive Projekte zur regionalen Entwicklung verteilt werden soll. Konkrete Vorschläge liegen vor, finanzieren lassen sich aber längst nicht alle.
In der Rolle von Abgeordneten der fünf im Ruhrparlament vertretenen Fraktionen ging es dann zur Sache. In den zufällig verteilten Rollen erhielten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe eine gemeinsame Haltung zu den Projektanträgen innerhalb ihrer Fraktion zu finden, strategisch zu entscheiden und in der Plenardebatte die anderen zu überzeugen.
Nach der Eröffnung der Sitzung und der Antragsstellung der jeweiligen Projekte folgte die Fraktionsberatungen, schon hier suchten sie im informellen Austausch nach möglichen Kompromissen und Bündnispartnern. Für eine Entscheidung brauchte es eine absolute Mehrheit. Entsprechend lebhaft verlief die Debatte im Plenum: Allianzen wurden geschlossen, wieder verworfen und neu geknüpft, Argumente abgewogen, Prioritäten verteidigt und Kompromisslinien immer wieder neu gezogen. Am Ende setzte sich bei den ausgewählten Projekten ein breit gestreutes Themenspektrum aus Verkehrsinfrastruktur, Unterstützung des lokalen Handwerks und besserer Nutzung bestehenden Wohnraums durch.
Im Abgleich mit der Realität bei der abschließenden Reflexion wurde greifbar, dass politische Entscheidungen von deutlich mehr Faktoren abhängen, als von den im Planspiel besonders beachteten inhaltlichen Fragen der Projekte. Auch langfristige Finanzplanung, öffentliche Meinung und parteipolitischen Zwänge spielen eine große Rolle. Auch hier lohnt der Blick auf die Nordbrücke: Sie zeigt, dass hinter scheinbar einfachen Fragen oft ein komplexes Geflecht aus Zuständigkeiten, Kosten und Interessen steht.
Sie möchten das Planspiel an Ihrer Schule oder in einem anderen Rahmen durchführen? Schreiben Sie uns gerne an info@bapp-bonn.de!
Was ist ein Planspiel?
Ein Planspiel ist eine interaktive spielerische Gruppenmethode, bei der Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse realitätsnah simuliert werden. Planspiele sind ideal für die politische Bildung, da sie komplexe politische Prozesse erlebbar machen und demokratische Kompetenzen schulen.





Bilder: BAPP

