Am 19. Januar 2026 war ein Team der Bonner Akademie zu Gast am Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen, um das neue Planspiel „Ruhr.Macht.Zukunft“ mit Schülerinnen und Schülern einer 10. Klasse im Rahmen eines dreistündigen Workshops zu erproben. Das Planspiel wurde im Rahmen des Projekts „Transfer der Transformation“ entwickelt, um junge Menschen für die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen zu sensibilisieren und sie zu ermutigen, eigene Ideen für die Zukunft der Region zu entwickeln.
Zu Beginn des Workshops wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt, welche Vorstellungen sie mit dem Begriff „Transformation“ verbinden. Dabei wurden erste Bezüge zu aktuellen Herausforderungen wie Klimaschutz, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel hergestellt. Anschließend erfolgte der inhaltliche Einstieg in die Arbeit des Ruhrparlament: Welche Aufgaben hat es? Welche Funktion übernimmt es für die Region? Und wie setzt es sich zusammen? So erhielten die Teilnehmenden eine fachliche Grundlage für das folgende Planspiel.
Im nächsten Schritt wurden die Schülerinnen und Schüler in das Szenario eingeführt: Das Ruhrgebiet steht vor großen Herausforderungen – darunter Klimaschutz, Digitalisierung und demografischer Wandel. Nach Abschluss der Haushaltsverhandlungen verfügt das Ruhrparlament nur noch über ein begrenztes Restbudget, das auf verschiedene Projekte zur Förderung der regionalen Entwicklung verteilt werden soll. Mehrere konkrete Projektideen liegen vor, jedoch können nicht alle finanziert werden.
Die Teilnehmenden schlüpften in die Rolle von Abgeordneten der fünf im Ruhrparlament vertretenen Fraktionen. Die Rollen wurden per Zufall verteilt: Jede und jeder erhielt eine Rollenbeschreibung und entwickelte einen passenden neuen Namen. Ziel war es, innerhalb der jeweiligen Fraktion eine gemeinsame Position zu den Projektanträgen zu erarbeiten, strategische Entscheidungen zu treffen und in der anschließenden Plenardebatte andere von der eigenen Haltung zu überzeugen.
Die Sitzung wurde von der Vorsitzenden aus der SPD-Fraktion eröffnet, gefolgt von einer kurzen Vorstellungsrunde und der Präsentation der Projektanträge. In den anschließenden Fraktionsberatungen entwickelten die Gruppen ihre Strategien. Bereits in dieser Phase kam es zu informellen Gesprächen zwischen den Fraktionen, um mögliche Kompromisse und Bündnisse auszuloten. Für eine Entscheidung war eine absolute Mehrheit erforderlich. Die zentrale Diskussion im Plenum gestaltete sich daraufhin lebhaft und engagiert. Zwischenzeitlich geschlossene Allianzen wurden im Verlauf der Debatte wieder aufgekündigt, neue Bündnisse entstanden. Argumente wurden abgewogen, Prioritäten verteidigt und Kompromisslinien neu gezogen. Am Ende einigten sich die Abgeordneten bei den ausgewählten Projekten mehrheitlich auf einen sozialen Schwerpunkt.
In der anschließenden Reflexionsphase zeigte sich, dass sich viele Schülerinnen und Schüler stark darauf konzentriert hatten, ihr jeweils bevorzugtes Projekt durchzusetzen. Beim Vergleich mit der Realität wurde deutlich, dass politische Entscheidungsträgerinnen und -träger deutlich mehr Faktoren berücksichtigen müssen, wie etwa eine langfristige Finanzplanung, die öffentliche Meinung oder auch parteipolitische Zwänge. Rückmeldungen zu Herausforderungen und Schwierigkeiten wurden konstruktiv aufgenommen und als wertvolle Hinweise für eine noch verständlichere Gestaltung der Materialien genutzt.
Haben Sie Interesse an einer Durchführung des Planspiels an Ihrer Schule oder in einem anderen Kontext? Kontaktieren Sie uns gerne!
Was ist ein Planspiel?
Ein Planspiel ist eine interaktive spielerische Gruppenmethode, bei der Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse realitätsnah simuliert werden. Planspiele sind ideal für die politische Bildung, da sie komplexe politische Prozesse erlebbar machen und demokratische Kompetenzen schulen.



„Politische Bildung wird nicht durch die Vermittlung von Theorie wirksam, sondern entfaltet ihre Wirkung erst durch eigenes Erleben demokratischer Praxis. Genau das bietet das Planspiel zum Ruhrparlament, in dem die Schüler:innen lebensweltnah ihre politische Urteils- und Handlungskompetenz in einem demokratisch angelegten Partizipationsprozess fördern und einen Schritt hin zu politischer Mündigkeit und aktiver Teilhabe an demokratischen Entscheidungsprozessen gehen.“
Erfahrungsbericht von Tobias Callea, Lehrer am Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen

Bilder: Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen/ BAPP

