Lokalforum Ruhrgebiet: „Zur Bedeutung von Institutionen und deren Herausforderungen in der heutigen Zeit“

Digitales Lokalforum Ruhrgebiet zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt auf dem Prüfstand?“ am 18. November 2022.

Am 18. November 2022 fand das erste Lokalforum Ruhrgebiet zum Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt auf dem Prüfstand? Zur Bedeutung von Institutionen und den Herausforderungen in der heutigen Zeit“ im Rahmen des dreijährigen Projekts „Institutionen stärken Zusammenhalt“ statt. Im Rahmen des Workshops diskutierten Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker aus dem Ruhrgebiet gemeinsam darüber, wie es um den Zustand des gesellschaftlichen Zusammenhaltes bestellt ist und an welche konkreten Grenzen sie innerhalb der jeweiligen Institutionen stoßen.

Die Einleitung übernahm Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie.
Dr. Kai Unzicker, Senior Project Manager des Projekts „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung, hielt den Impulsvortrag.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums.

In seiner Begrüßung legte Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie, den Fokus auf die Frage nach dem „Wir“ – denn der Zusammenhalt in der Gesellschaft gehe mit der Frage nach dem Wir einher. Dabei sei das Wir nicht statisch, sondern wandelt sich und passt sich der Zeit an.

In seinem Impulsvortrag nahm Dr. Kai Unzicker, Senior Project Manager des Projekts „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ der Bertelsmann Stiftung, eine Bestandsaufnahme des aktuellen gesellschaftlichen Zusammenhalts vor. Die Faktenlage der aktuellen Situation zeichne ein düsteres Bild, zeitgleich funktioniere dennoch vieles sehr gut, was nicht zuletzt an der Gleichzeitigkeit vieler Entwicklungen liege: „Wir befinden uns in einer historischen Phase der verdichteten Transformationsprozesse“, so Unzicker. Auch wenn die Gesellschaft sich schon immer verändert habe, geschehe dies heute auf verschiedenen Ebenen und in vielen Bereichen (z. B. ökonomisch, politisch, ökologisch, technologisch, kulturell) unterschiedlich schnell. Dadurch verlieren stabilisierende Strukturen an Bindungskraft sowie an Gewicht in der Öffentlichkeit. Auch der Umbau der medialen Öffentlichkeit, welcher mit einem Wettkampf um Aufmerksamkeit und einer Polarisierung der Gesellschaft einhergeht, erschwere den zwischenmenschlichen Dialog und die Verständigung. Aufgrund dieser Entwicklungen und Transformationsprozesse sei gesellschaftlicher Zusammenhalt mittlerweile eine aktiv zu gestaltende Aufgabe, schloss Dr. Kai Unzicker.

Aus der lebhaften Diskussion mit den Praktikerinnen und Praktikern aus dem Ruhrgebiet, die sich an den Impulsvortrag anschloss, sollten vor allem folgende Punkte mitgenommen werden: Niederschwellige Dialog- und Begegnungsräume sind relevant für die Schaffung von Vertrauen und Zusammenhalt. Die einzelnen Institutionen innerhalb einer Stadt treten zu wenig miteinander in den Dialog, unter anderem da es an diesen Räumen mangelt. Des Weiteren fehlt es zum Teil an Verständnis und „Wir-Gefühl“ für die Vereine und Institutionen, wodurch die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts ebenfalls erschwert wird. Hervorgehoben wurde zudem, dass sich die Bedingungen für das bürgerschaftliche Engagement verändert haben. Lang bindende und feste Mitgliedschaften werden seltener, Menschen bringen sich zunehmend in projekt- und netzwerkförmigen Engagements ein. Um den Lebensrealitäten der Engagierten gerecht zu werden und die Menschen einzubinden, werden greifbarere Formate benötigt, die es ermöglichen, niederschwellig Kontakte zu knüpfen und zeitgemäße Engagementmöglichkeiten zu schaffen. Als konkretes Beispiel wurde unter anderem das zivilgesellschaftliche Engagement im Sport diskutiert. Auch hier zeigt sich die Entwicklung weg von festen Vereinsmitgliedschaften und -ehrenämtern hin zu flexiblen, individuellen und kurzfristigen Engagements. Vereine kämpfen darum, als Beitragende des gesellschaftlichen Zusammenhalts anerkannt und unterstützt zu werden. Ziel muss es sein, dass Sportvereine in der Gesellschaft, Politik und Verwaltung als wichtige Orte zur Vertrauensbildung in Institutionen und gesellschaftlichen Teilhabe ernster genommen werden.

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