Workshop: „5. Lokalforum – Notwendige Vernetzung auch in der politischen Bildung?“

5. Lokalforum Ruhrgebiet zum Thema „Notwendige Vernetzung auch in der politischen Bildung?“ am 28.10.2021 online per Zoom.

Am 28. Oktober 2021 fand das 5. Lokalforum Ruhrgebiet zum Thema „Notwendige Vernetzung auch in der politischen Bildung?“ im Rahmen des dreijährigen Projekts „Integrationspolitik für die Mehrheitsgesellschaft – Bildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten für junge und alte Menschen“ statt. Im Rahmen des Workshop-Formats diskutierten auch bei dieser Veranstaltung wieder Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker aus dem Ruhrgebiet gemeinsam darüber, wie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen der politischen Bildung besser gelingen kann. Dabei wurden Angebote schulischer und außerschulischer politischer Bildung sowie der Aufbau und die Verbesserung von Vernetzungsstrukturen thematisiert.

 

 

Die Einleitung übernahm wieder Prof. Volker Kronenberg.
Jun.-Prof. Dr. Dorothee Gronostay von der TU Dortmund hielt den ersten Impulsvortrag.
Der zweite Impulsvortrag von Jun.-Prof. Fr. Kathrin Hahn-Laudenberg von der Universität Leipzig leitete im Anschluss die Diskussion ein.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums im Überblick.
Im Anschluss folgte eine rege Diskussion, hier spricht Frau Dr.in Helle Becker, Geschäftsführerin Transfer für Bildung e.V.
Auch Dimitrios Karakatsanis vom Dortmunder U beteiligte sich an der Diskussion.
Hier ist Frau Mechthild Appelhoff vom der Landesanstalt für Medien NRW im Wortbeitrag zu sehen.
Die Diskussion wurde von Dr. Manuel Becker, Geschäftsführer des Instituts für Politische Bildung und Soziologie der Universität Bonn geleitet.

In seiner Begrüßung knüpfte Prof. Dr. Volker Kronenberg, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bonner Akademie und Projektleiter, an das vorangegangene Lokalforum an und verwies direkt zum Einstig auf die Zentralität politischer Bildung. Diese sei bereits seit der frühen Kindheit und über alle Generationen der Gesellschaft hinweg von hoher Bedeutung und fundamental – ja systemrelevant – für die Demokratie. Es stellen sich hierbei Fragen, wie und in welchem Umfang, politische Bildung in der Schule unterrichtet wird, da Politik von der aktiven Teilnahme der Bürgerinnen und Bürgern lebe. Um Apathie, Unzufriedenheit und Desinteresse zu dämpfen und „Brände nicht zu löschen, sondern frühzeitig vorzubeugen“ – um die Feuerwehr-Metapher des vorangegangenen Lokalforums aufzunehmen – geht es darum herauszufinden welche Instrumente es gibt, um politische Bildung und die Vernetzung verschiedener Angebote untereinander zu stärken.

Anhand zweier Impulsreferate sollte verschiedener Input zu den Chancen und Problemen der breit aufgestellten politischen Bildung ermöglicht werden, wobei vor allem die Verbindung politischer Bildung im schulischen und außerschulischen Kontext sowie zwischen der Forschung und Praxis thematisiert wurden. Jun.-Prof. Dr. Dorothee Gronostay, Juniorprofessorin für Didaktik der Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt empirische Politikdidaktik an der Technischen Universität Dortmund, verwies in ihrem Impulsreferat auf zwei Ansätze der politischen Bildung. Die Politikdidaktik als Wissenschaft mit Forschenden und Praktizierenden sowie die inhaltlich ausgerichtete Fachwissenschaft. Während die Politikdidaktik stark auf den schulischen Kontext fokussiert und Ihren eigenen Erfahrungen nach inhaltlich wenig auf außerschulische politische Bildung ausgelegt sei, fehle der oftmals heterogen konzipierten Fachwissenschaft zumeist ein Bezug zum schulischen Kontext. Sie beleuchtete die Problematik, dass die Vernetzung oftmals von der Eigeninitiative von Individuen abhängig ist, diese jedoch beispielsweise durch unterschiedliche Lebensläufe und Sozialisierung der beteiligten Akteure erschwert wird. Auch die fehlende Kenntnis über Partner, insbesondere über potenzielle außerschulische Bildungsakteure, stelle möglicherweise ein Hindernis dar. Bislang gebe es noch wenig Anreize und Strukturen, die eine adäquate Vernetzung zwischen Angeboten der politischen Bildung im schulischen und außerschulischen Kontext förderten. Dabei betonte Sie, dass es gute Gründe für Kooperationen gäbe und der Mehrwert einer Kooperation über die Wissensvermittlung politischer Bildung hinausreiche und beispielsweise auch das kognitive Lernen verbessere.

In einem zweiten Impulsreferat erläuterte Jun.-Prof. Dr. Katrin Hahn-Laudenberg, Juniorprofessorin für Bildung und Demokratiepädagogik im Kontext von Integration und Migration an der Universität Leipzig, anhand von fünf Thesen ihre Beobachtungen. Hierbei ging sie darauf ein, dass es erstens zahlreiche Formate außerschulischer Bildung gebe, wenngleich die Vernetzung schulischer und außerschulischer Bildungsmöglichkeiten fehle. Zweitens brauche es daher kein umfangreicheres Angebot, sondern viel eher eine Stärkung der Sichtbarkeit von bestehenden Vernetzungsformaten. Obwohl drittens eine Reihe an wissenschaftlichen Projekten vorzufinden sei, fehle es an einer systematischen empirischen Forschung im Hinblick auf die politische Bildung. Viertens sei daher besonders eine Veränderung der Anreizstrukturen notwendig, um die Vorteile der Vernetzung hervorzuheben. Außerdem sollte die Politikdidaktik sich stärker europäisch und international vernetzen, wobei es hier beispielsweise auf europäischer Ebene einige vielversprechende Initiativen gäbe.

Im Rahmen einer lebhaften Diskussion wurde der Fokus zu Beginn auf die Jugend- und Erwachsenenbildung ausgeweitet. Dr. Helle Becker führt zunächst aus, dass Jugendbildung bislang stark fachdidaktisch geprägt sei, während die Erwachsenenbildung vor allem von außerschulischem freiwilligen Interesse an Bildung und Politik getragen werde, ohne dabei konkrete Lernziele vorzuweisen. Demokratiebildung ermögliche jedoch auf allen Ebenen Selbstbildungsmöglichkeiten, da die Aneignung von Wissen nicht im Rahmen von klassischen schuldidaktischen Schemen erfolgen müsse. An dieser Stelle wurde darauf eingegangen, dass Politikwissenschaft Gegenstandstandbezogen agiere, während die Politikdidaktik sich vordergründig an den Kompetenzen der Lernenden orientiere. Im Hinblick auf die politische Bildung solle jedoch vor allem die Partizipation gefördert und möglicherweise mehr „in Orten gedacht werden“, wo diese stattfinden kann.

Anschließend greift Mechthild Appelhoff den gesetzlichen Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW – die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern über Medien zu fördern – auf. Um in Zeiten der Digitalisierung auch im Internet einen fairen Diskurs zu schaffen und das Teilen unreflektierter Meinungen zu verhindern sowie die aktive und konstruktive Teilnahme am Meinungsbildungsdiskurs zu ermöglichen brauche es Forschung, die dann der Praxis ein zielorientiertes Arbeiten ermögliche. Hierbei sei die Interdisziplinarität wichtig, um Forschung untereinander und vor allem Forschung und Praxis wirksam miteinander zu vernetzten, was sich bis in die Sphären des Marketings ziehe, um die Möglichkeiten politischer Bildungsangebote auch adäquat bewerben zu können. Folgend wurde darauf eingegangen, dass eine demokratische Gesellschaft von Partizipation, und aktiver Mitgestaltung der Bürgerinnen und Bürger lebe. Dimitrios Karakatsanis betont, dass schon im frühen Kindesalter Politik als soziales Miteinander vermittelt werden müsse und digitale Transformationsprozesse, welche teilweise zu einem Angstgefühl führen, mit Bildung von Medienkompetenzen entgegengekommen werden sollte.

Konkret wurde vorgeschlagen, dass im schulischen und studentischen Kontext beispielsweise mit Ringvorlesungen der Blick auf mögliche Vernetzungen für die Lehrenden erweitert werden könne. Unterschiedliche Perspektiven in Forschung und Lehre könnten in den Unterricht eingebaut werden und zusätzlich den Horizont der Lernenden auf andere Berufsperspektiven erweitern. Durchweg müsse sich das Angebot an den jeweiligen Zielgruppen ausrichten, die damit adressiert werden sollen. Weitere Aspekte des Austausches waren, dass der derzeitige Wettbewerb der Akteurinnen und Akteure um Fördermittel nicht dienlich sei und der Zusatzaufwand einzelner Lehrender politische Bildung im schulischen Kontext zu initiieren größere Wertschätzung erfahren müsse. Die Vernetzung und Kommunikation von Gruppen untereinander wurde als essentielle Komponente genannt. Ein gemeinsamer Dialog sei immer auch eine Frage von Sprache und die Bereitschaft auch andere Begriffe und andere Denksysteme miteinzubeziehen ermögliche es Bürgerinnen und Bürger untereinander zu vernetzen und einen Austausch auch im Hinblick auf den Aspekt der politischen Bildung zu fördern.  

Zum Schluss der von Dr. Manuel Becker moderierten Veranstaltung wurden von Chris Rensing die Ergebnisse des Workshops resümiert. Festgehalten werden konnte, dass es die Notwendigkeit und den Wunsch nach Vernetzung gibt, diese jedoch stark von der Eigeninitiative einzelner Individuen abhängig sei und sich derzeit schwierig gestalte, hier bedarf es der Stärkung bereits vielfach vorhandener Formate und interdisziplinärer Vernetzung. Außerdem wurde die Befähigung von Medienkompetenzen als eine aktuelle und dringende Aufgabe der politischen Bildung bekräftigt und die Frage aufgeworfen, was die Orte und die Erfahrungsräume sind an denen politische Bildung für Bürgerinnen und Bürger aller Generationen stattfinden kann und sollte. Insgesamt konnte die Veranstaltung bereits „im Kleinen“ zumindest zu einer Vernetzung der beteiligten Akteure beitragen.

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