Institutionen stärken Zusammenhalt

Ein immer größer werdender Teil der Gesellschaft fühlt sich von Politik und Gesellschaft abgehängt; die Skepsis gegenüber den etablierten Institutionen und existierenden Regeln steigt. Dies äußert sich nicht zuletzt in dem Erstarken der politischen Ränder, in ansteigender politisch motivierter Gewalt sowie in einem Vertrauensverlust in Wissenschaft, Politik und Medien. Verschärft werden diese Entwicklungen von weltweiten Herausforderungen wie der Globalisierung, dem Klimawandel, der Digitalisierung, der Migration oder der Corona-Pandemie. Für die Demokratie, ihre Institutionen und vor allem für den gesellschaftlichen Zusammenhalt liegt darin eine große Gefahr, sind es doch eigentlich gerade die institutionellen Strukturen vor Ort, in denen sich das gesellschaftliche Leben ordnet und die das System tragen. Politische und gesellschaftliche Partizipation und sozialer Zusammenhalt stehen hier in einem engen Wechselwirkungsverhältnis.

Öffentlicher Raum zerfällt: Wenn Menschen überhört werden. Wenn Austausch nicht mehr möglich ist.

Prof. Bodo Hombach
Präsident der Bonner Akademie
Die Zeche Zollverein ist ein Symbol für den Wandel des Ruhrgebiets (© flickr.com) / Headerbild (© zebra11/Shutterstock.com)

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Institutionen stärken Zusammenhalt“ an. Es zielt darauf ab, die Potentiale und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher sowie politischer Institutionen und Organisationen zu analysieren und auf dieser Grundlage gezielt Maßnahmen zu deren Stärkung zu entwickeln. Durch die Stärkung der Institutionen und ihrer Angebote als Orte der Meinungsbildung und Beteiligung sollen die Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung verbessert und letztlich der soziale Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft gefördert werden. Konkret geht es um Institutionen wie öffentliche Einrichtungen, Medien, Parteien, Gewerkschaften und Kirchen aber auch um (Sport-) Vereine und andere lokale und kommunale Akteure. Ebenfalls in den Blick genommen werden sollen „inoffizielle“ Institutionen und Orte der Meinungsbildung – denn viele Menschen nehmen nicht an Beteiligungsformaten der Kommunen oder anderer Institutionen teil, aber sind dennoch an politisch und gesellschaftlich relevanten Themen interessiert. Auch in der Nachbarschaft, der Stammkneipe oder in der Trink- und Spielhalle wird über Politik oder die Entwicklung des Stadtteils gesprochen und diskutiert. Diesen Orten fällt daher eine nicht minder große Bedeutung für gesellschaftliche Integration und Teilhabe zu.

Weitere Informationen zum Projekt

Wer hat das Projekt in Auftrag gegeben?

Das Projekt wird von der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik im Auftrag der Brost-Akademie durchgeführt. 

Wie lange läuft das Projekt?

Das Projekt läuft seit Februar 2022 und ist auf eine Laufzeit von drei Jahren bis Januar 2025 ausgelegt.

Wer gehört zum Projektteam?

Das Projektteam umfasst zurzeit drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bonner Akademie: Sandra Butz als Projektkoordinatorin sowie Gina Görmer und Niklas Keilus. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier.

Was sind die Ziele des Projekts?

Ziel ist es, den Umgang zivilgesellschaftlicher und staatlicher Institutionen mit den Fliehkräften der Gesellschaft zu untersuchen sowie die Potentiale der Institutionen herauszuarbeiten. Auf dieser Basis sollen dann praxisnahe Ansätze zur Stärkung der Institutionen gegen die zunehmende soziale Spaltung und die Entfremdungstendenzen entwickelt werden.

Dies soll ausdrücklich nicht in einem rein akademischen Diskurs geschehen, sondern gemeinsam mit mündigen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Initiativen und Akteurinnen und Akteure vor Ort erarbeitet und gestaltet werden. Dabei sollen möglichst praxisnah Mitgestaltungs- und Teilhabemöglichkeiten geschaffen werden, um die Institutionen langfristig zu stärken und den sozialen Zusammenhalt im Ruhrgebiet zu fördern.

Wie ist das Projekt aufgebaut?

Das Projekt besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Zu Beginn soll durch eine Bestandsaufnahme eruiert werden, welche gesellschaftlichen Fliehkräfte den Vertrauensverlust in Institutionen begünstigen und wie zivilgesellschaftliche und staatliche Institutionen mit dieser Entwicklung umgehen. So können in einem zweiten Schritt konkrete Bedarfe und Angebotslücken identifiziert und Potentiale definiert werden. Durch gezielte Kooperationen mit engagierten Projektpartnern vor Ort im Ruhrgebiet wird ein breites Projektnetzwerk aufgebaut. Auf der Grundlage von Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie Interviews und Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern, Praktikerinnen und Praktikern und Expertinnen und Experten werden dann praxisnahe Ansätze zur Stärkung der Institutionen evaluiert, um diese Erkenntnisse durch konkrete Handlungsempfehlungen und eine wissenschaftliche Begleitung von Pilotprojekten vor Ort nutzbar zu machen.

Was verstehen wir unter „Institutionen“?

Mit Institutionen werden klassischerweise Vereine, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Medien und (Hoch-)Schulen assoziiert. Darüber hinaus liegt unser besonderes Interesse auch auf informellen Anlaufstellen, sprich auf all den Orten und Treffpunkten der Bevölkerung im Ruhrgebiet, an denen Menschen zusammenkommen und diskutieren und in denen Meinungsbildung stattfindet und gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht. Dies beinhaltet lokale Kneipen ebenso wie Spiel- und Trinkhallen oder die Nachbarschaft.

Veranstaltungen im Projekt